Jusqu’à l’aurore (CD)
Pressestimme
„Und noch etwas ist allen hier versammelten Werken gemeinsam: Unter der oftmals plastisch, mit kräftigen Gesten gestalteten Oberfläche, also der Schicht primärer (Hör)Information, verbirgt sich ein sorgfältig ausgearbeiteter Detailreichtum. Es ist eine kunstvolle, aber nie künstliche Musik. Sie lässt vieles zu, ohne auch nur einen Moment in Beliebigkeit zu verfallen. Wally selber spricht vom Komponieren als »harte Arbeit«, erwähnt aber auch die »fast kindliche Freude am Spiel (mit dem Material), einem unter dem Strich stark positiven Grundgefühl«. Seine Musik lässt uns beides erleben, und, abhängig von Ihrem subjektiven Empfinden, werte Hörerin und Hörer, vermutlich noch viel mehr. Leihen Sie Ihr Ohr diesen Aufnahmen daher ruhig mehrmals – Sie werden es nicht bereuen!“
„Spontan erschließt sich Thomas Wallys Musik nur für wenige. Er gehört zu jenen, die es weder ihrem Publikum noch ihren Ausführenden noch sich selbst leicht machen. Jeder Ton ist da nach einem komplex ausgetüftelten System gesetzt. Nichts scheint dem Zufall überlassen (allfällig aleatorische Passagen einmal ausgenommen). Formale Strukturen folgen alten Mustern, die intellektuell vielfältig aufgebrochen und neu geknüpft werden. Mit der soeben bei col legno veröffentlichten CD „Jusqu‘à l’aurore“ erhalten Musikfreundinnen und Musikfreunde Einblick in das vergangene Arbeitsjahrzehnt des Enddreißigers. […] Das Suchen, die Erzeugung und somit das Finden eines Tones oder Klanges steht im Vordergrund, ist scheinbar der Sinn von Wallys „Caprice“ (2009), die sein Instrument, die Violine fokussiert. Sie eröffnet die Abfolge der neun zwischen 2008 und 2019 entstandenen Stücke. Selten gibt es in den Kompositionen Inseln, an denen man sich festhalten kann, wie etwa in „transfiguration II“ (2008) das ruhige, zugleich unerbittliche Klavierostinato – darüber verästeln sich die Streicher in konfrontativen Linien. Im von Ivana Prištasová mit herausragender Präzision gespielten Solostück „Soliloquy II: You made your excuses and left“ (2017) zeigt der Geiger-Komponist Wally Virtuosität in poetisch anmutender Expressivität; seelenvolle Abschiedsmusik. Schönheit? – Sie lässt sich im Augenblick finden, für das jeweils Stückganze wird man sie wohl nur philosophisch definieren können.“
„Eine sehr differenzierte Musik, die immer wieder überrascht.“
„12 Sekunden – und Komponist Thomas Wally hat einem schon so viele Töne um die Ohren gehauen, dass man den Überblick verloren hat. Man könnte meinen, dass hier das Klischee von neuer Musik bestätigt wird. Schräg, durcheinander, willkürlich. Aber: das Gegenteil ist wahr. Thomas Wallys Musik ist so durchdacht, wie ein komplexer Architekturplan; es braucht nur etwas Zeit und Aufmerksamkeit, um dahinter zu kommen. Aber das lohnt sich. […] Die fabelhaften Musikerinnen des Mondrian Ensembles sprechen Thomas Wallys komplizierte Sprache fließend. So viel Theorie hinter der Musik stecken mag, hier klingt sie nicht gekünstelt oder mathematisch, sondern frei und lebendig. […] Wenn das Mondrian Ensemble Thomas Wallys Musik spielt, wird Hochkomplexes sinnlich und erlebbar.“
„There is no categorizing Austrian composer Thomas Wally’s chamber music except in the broadest terms. That’s a cop-out, of course, but even repeated exposure to the mutations, skewed reiterations, bait-and-switch juxtapositions and occasional but poignant moments of stasis Wally dishes up leads away from facile description.“
„Schnelle Gesten, Farbenschimmer, verwischte Schraffuren: Die Musik von Thomas Wally (*1981) ist direkt und unmittelbar wie eine spielerisch aufs Papier geworfene Skizze. Bei näherem Hinhören aber zeigt sich der Schliff, den der österreichische Komponist seinen Klängen verpasst. Er feilt, verdichtet und modelliert sie. Das brilliante Mondrian Ensemble öffnet der geschmeidigen Musik mit seinem aufregend fiebrigen Spiel faszinierende Tiefen.“
„durchwegs gestische, spannungsreiche, oft geradezu herausfordernde Musik, die durch Intensität ebenso fesselt wie durch Sinnlichkeit.“
„Op het moment dat je denkt te weten waar de muziek heen gaat, gooit de componist radicaal het roer om. Dat maakt de muziek spannend en enerverend en zorgt ervoor dat je als luisteraar op het puntje van je stoel belandt.“
„In diesem Fall bin ich sowas von vorurteilsfrei und erwartungsfrei in diese CD eingestiegen, hab sie aufgelegt und war total überrascht, wie intensiv diese Musik [war], die mir da entgegenschlug. Also die Musik, die will ganz viel, die erzählt ganz viel, die hat Vorder- und Hintergrund; ja, da ist so ein Impact drin, und es ist auch gleichzeitig – also es ist nicht nur auch noch sehr gut gespielt, finde ich, vom Mondrian Ensemble – es ist auch gleichzeitig noch eine große Bandbreite; es sind ja auch Stücke von verschiedenen Zeiten […] und dieses Alles zusammen gab so eine Vielfalt, so eine spielfreudige, erzählfreudige Vielfalt, dass ich dachte, lohnt sich, wenn ihr das auch mal hört und ich bin gespannt, was ihr dazu sagt.“
„On y découvre un travail sur l’infime détail, une recherche continuelle de la perfection et de l’instant sublime. […] Le plus remarquable est le maintien d’une unité esthétique au fil des pièces, malgré ce grand écart dans leur conception, due à la densité et la complexité rythmique, au souci de l’architecture globale, à la diversité colorée des séquences, la sensibilité microtonale et la virtuosité.“
„Kunstvoll und poetisch, humorvoll und virtuos, verspielt und wie von einer anderen Welt: So klingt Thomas Wallys Musik, die das Mondrian Ensemble auf der Porträt-CD „Jusqu’à l’aurore“ (col legno) spielt. Neun Stücke – darunter zwei Klavierquartette, ein Streichtrio und ein viertelstündiges Violinsolo – zwischen wilden Glissandi, mikrotonalen Stimmungen und dichten Klanggeflechten.“
